Ohne Hebammen geht es nicht


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Oberasbach – (el) Eigentlich hatte Andrea Vogel vor, Medizin zu studieren. Dann erschien ihr aber die Möglichkeit, Frauen auf dem Weg zur Entbindung zu begleiten und ihnen zu helfen, ihre Kinder gesund zur Welt zu bringen, als die bessere Option. Sie wurde Hebamme.

Nach 25 Jahren Tätigkeit am Südklinikum Nürnberg entschied sie sich im März dieses Jahres zur Selbstständigkeit. Obwohl sie gerne an der Klinik gearbeitet und die viele Arbeit auch nicht gescheut habe, wünschte sie sich ein besser geregeltes Berufsleben. Da habe es vorher so manches Mal Tränen bei ihrem kleinen Sohn gegeben, wenn die Mutter abends noch fort in die Klinik musste, bedauert sie.
Als Selbstständige habe sie nun zwar hohe Versicherungsauflagen und einen umfangreichen
Verwaltungsaufwand. Aber sie könne sich jetzt ihre Zeit besser einteilen, freut sie sich. Sie sei nur noch in der Schwangerschaftsvorsorge und in der Wochenbettbetreuung tätig, nicht mehr in der Geburtshilfe.
Seit 1991 seien 40 % der Kreißsäle geschlossen worden, erzählt sie weiter. Die großen Kliniken mussten das entstandene Vakuum auffangen. Gleichzeitig hätte dadurch die Arbeitsbelastung für die in den Geburtszentren angestellten Hebammen enorm zugenommen.
Die Leistung der Hebammen an den Kliniken werde im Vergleich zur Arbeitszeit, die häufig auch Wochenenden, Feiertage und Nächte beträfe, nicht angemessen vergütet. Auch eine sinnvolle Betreuung der Schwangeren sei nicht mehr möglich. Bei einer 1:1-Betreuung, die optimal wäre, könnte mancher medizinische Eingriff vermieden und so z. B. die Wahrscheinlichkeit eines Kaiserschnitts verringert werden, meint die Hebamme. Jede 3. Frau bringe heute ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Der Kraftakt für Mutter und Kind bei einer normalen Geburt mache aber durchaus Sinn.
Hebamme sei ein wunderbarer und sehr erfüllender Beruf. Die Nachwuchssorgen hier und in anderen Sozialbereichen könnten aber nur behoben werden, wenn Arbeitsbedingungen und Verdienst verbessert werden würden, mahnt A. Vogel. Sie sei mit dem französischen Arzt Michel Odent einer Meinung: „Es ist nicht egal, wie wir geboren werden“.